Eine der ersten konkreten Empfehlungen, die Jens Spahn in der aktuellen Corona-Pandemie aussprach (noch bevor diese Pandemie Pandemie genannt wurde) war, dass "Über-60-Jährige" sich spätestens jetzt gegen Pneumokokken impfen lassen sollten, "damit im Fall der Fälle eine zusätzliche Infektion, die die Lunge dann zusätzlich belastet vermieden werden kann." Aber: funktioniert das überhaupt? Ein Faktencheck...

Seit Beginn der Impfung mit konjugierten Pneumokokken-Impfstoffen bestand das Problem des so genannten replacements - die Zunahme nicht durch den Impfstoff erfasster Pneumokokkentypen als Krankheitserreger parallel zum Rückgang der im Impfstoff enthaltenen Serotypen. Nun zeigt eine aktuelle Studie für Deutschland, dass der maximale Schutzeffekt der Impfung schon Jahre zurückliegt und seitdem die Gesamthäufigkeit von Pneumokokkenerkrankungen im Kindesalter wieder kontinuierlich ansteigt  (Weinberger 2018).

 

Erreger und Epidemiologie

  • Streptokokkus pneumoniae, ein Bakterium, von dem mindestens 90 verschiedene Serotypen unterschieden werden

  • 20 davon sind verantwortlich für 90% der Infektionen beim Menschen (at 2006) – die Verteilung der einzelnen Serotypen unterliegt großen regionalen Unterschieden.

Seit Juli 2006 ist in Deutschland die Pneumokokkenimpfung eine allgemein empfohlene Schutzimpfung für alle Kinder.